Redewendung: Starker Tobak

Redewendung: Starker Tobak

Angekündigter Nachtrag zum fermentierten Nachtschattengewächs bezüglich Rauchen, Kauen, Schnupfen und Co.
Obwohl mir bei Co. als Nichtraucher ein wenig die Phantasie fehlt. 

#miniaturgeschichten (Nr. 43)

Das ist „Starker Tobak“ heißt es im Volksmund. Und nu?
Seit dem 16. Jh. kam dieses „Teufelszeug“ zu uns und … halt … da ist doch gleich der erste Hinweis.
Denn die Redensart „Starker Tobak“ (wahrscheinlich von ‚tobac‘ altfranzösisch, entgegen tobacco), geht auf eine ältere Erzählung zurück und tatsächlich auf den Teufel.
Ein recht forscher – in Zügen vermutlich auch lebensmüder – Jäger hält den Teufel zum Narren. Auf seine alten Tage, und weil auch etwas abseits vom Schuss lebend, hat der Teufel noch nie ein Gewehr gesehen. Heimtückisch gaukelt der Jäger dem Fürsten der Finsternis vor, es sei eine enorme Pfeife und bietet ihm einen exklusiven Zug daraus an.

Wer kann da schon ‚Nein‘ sagen?

Der Teufel konnte also der Versuchung nicht widerstehen, zog kräftig, saugte förmlich und erhielt plötzlich eine feurige Ladung Schrot mitten ins erstaunte Gesicht. Nonchalant kommentierte der Teufel diesen Schuss mit: „Das ist aber starker Tobak“. 

Aus diesem Schwank heraus entstand wahrscheinlich auch die norddeutsche Wendung „vertobaken“ für „verdreschen“; hierauf jedoch keine Gew(a)ehr, denn etymologisch gesehen steckt der Teufel zu oft im Detail.

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